Volontariate und Kurzeinsätze

Das Interesse an globalen Entwicklungsfragen ist gross. Viele Junge und Junggebliebene wollen sich direkt engagieren und einen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz in Afrika, Asien oder Lateinamerika leisten. Ist das internationale Zusammenarbeit? Was ist der Wert einer solchen Erfahrung für eine Laufbahn?

Internationale Zusammenarbeit (IZA) ist professionelle Arbeit, die entsprechende Erfahrung und Kompetenzen voraussetzt. Deshalb riskieren Personen, die sich in einem Entwicklungsprojekt spontan engagieren oder nach einer Naturkatastrophe einen humanitären Einsatz leisten wollen, Absagen. Es gibt trotzdem Möglichkeiten für ausserberufliche Kurzeinsätze. Von diesen ist hier die Rede.

Abschied von Idealvorstellungen

Oft wird der Nutzen von Kurzzeiteinsätzen überschätzt. Sie können einen ersten Eindruck vom Leben in einem anderen Land vermitteln – ein Perspektivenwechsel, der eine persönliche Bereicherung sein kann. Aber sie vermitteln kein realistisches Bild davon, was Arbeiten in der IZA heute bedeutet. Nicht selten wird dabei sogar ein verklärtes oder ein veraltetes Bild von Entwicklungszusammenarbeit vermittelt.

Für die Bevölkerung in den Einsatzgebieten ist der Nutzen solcher Einsätze bestenfalls marginal. Schädliche Auswirkungen sind leider nicht ausgeschlossen, da die Nachfrage nach solchen Einsätzen oft von Menschen aus reichen Ländern ausgeht und nicht einem Bedarf vor Ort entspricht. Wegen der Zunahme der Nachfrage ergeben sich Geschäftsmöglichkeiten mit einem Helfertourismus, der grossen Schaden anrichteten kann.

Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Unter Praktikum wird eine berufsbezogene Tätigkeit mit Lernzielen und Betreuung verstanden. Allerdings werden Sozialeinsätze teilweise auch als Praktika ausgeschrieben. Die Anforderungen für ein IZA-Praktikum übersteigen jene für einen Sozialeinsatz jedoch bei weitem.

Es gibt Angebote, die sich im Graubereich zwischen beruflichem Praktikum und Sozialeinsatz ansiedeln. Wichtig ist, die Unterschiede zu erkennen, und dass Sie sich im Klaren darüber sind, was Sie suchen und worauf Sie sich einlassen.

Nicht nur etwas für Junge

Die meisten Angebote für Kurzeinsätze richten sich an Junge ab 20 Jahren. Aber auch für ältere Personen gibt es Gelegenheiten, während einer Auszeit an einem allgemein ausgeschriebenen Workcamp oder Sozialeinsatz teilzunehmen. Allerdings können sie nicht darauf bauen, dass dort ihre Berufserfahrung gefragt ist.

Manchen Berufstätigen bietet sich dazu eine Alternative, sei es über ihren Berufsverband oder das Senior Expert Corps, das qualifizierte Fachleute ehrenamtlich in kleine und mittlere Unternehmen vermittelt.
Zum Erfahrungsbericht «Unbezahlbare Erfahrung – Mein Einsatz mit der Swisscoy im Kosovo» (cinfo, 2014)

Wie vorgehen?

Bevor man beginnt, konkrete Pläne für einen Sozialeinsatz in einem Entwicklungsland zu schmieden, sollte klar sein: Was bewegt mich zu einem solchen Kurzzeiteinsatz und was genau erwarte ich davon. Anbieter gibt es zahlreiche, schwieriger wird es beim Einschätzen ihrer Seriosität.

Qualität eines Angebots einschätzen

Eine Regel gibt es nicht, allerdings einige Faktoren, die aufschlussreich sein können:

  • Seriöse Organisationen bieten eine Vorbereitung an oder machen sie zur Bedingung einer Teilnahme. Ein Pluspunkt für solche Anbieter.
  • Vergewissern Sie sich, dass die Organisation vor Ort präsent ist oder eine Vertretung hat.
  • Seriöse Organisationen sind in der Lage, Referenzen anzugeben, sei dies von ehemaligen Teilnehmenden oder von unabhängigen Stellen. Solche Organisationen werden von Interessierten auch mehr wissen wollen als deren Namen und die Kreditkartennummer.

Einsatz auf eigene Faust

Immer wieder gibt es Personen, die sich ihren Sozialeinsatz selbst oder mit Hilfe von Freunden und Bekannten organisieren. Viele NGOs in Entwicklungsländern haben eine Webpräsenz, die es ermöglicht, direkt mit ihnen in Kontakt zu treten. Seien Sie sich bewusst, dass Kurzzeiteinsätze teilweise zum Geschäftszweig geworden sind. Melden sollte man sich grundsätzlich nur dort, wo NGOs regelmässig Personen aus Europa «temporär» einsetzen, und holen Sie Referenzen ein. Selbst dann sind solche Einsätze mit Risiken verbunden.

Voluntourismus für die Karriere?

Inwiefern fördert Voluntourismus – eine Kombination aus Reisen und Freiwilligeneinsatz – eine Karriere in der IZA? Mehr lesen:

Surftipps

Die folgende Auswahl an Internetseiten bietet einen Einstieg in eine Recherche. Sie beinhaltet keine Aussage von cinfo zur Qualität der Angebote.

Ehrenamtliche Arbeit in der Schweiz

Benevol
Intermundo
ICYE
Nouvelle Planète
Service Civil International
Workcamp Switzerland
Horyzon

Workcamps ohne Altersbegrenzung

Nouvelle Planète
Service Civil International

Praktika

PEP! von Mission 21
asa-Programm
Aiesec
HOPLAA!
Voyage-Partage
Leitfaden zu Auslandpraktika von der ZHAW

IZA-Panorama entdecken

Was bedeutet internationale Zusammenarbeit? Definitionen, Akteure und Laufbahnbeispiele finden Sie im Panorama der IZA-Arbeitswelt.

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